Wie schreibt man Saterfriesisch?  

 

 


Es folgt eine kurze Anleitung auf Grund des Systems von Marron C. Fort,
Saterfriesisches Wörterbuch, Buske, Hamburg 1980.

Der Prinzip ist: EIN LAUT, EIN ZEICHEN. [Aussprache]

Infolgedessen werden
kurze Laute EINZELN geschrieben: Kat 'Katze'.
lange Laute aber DOPPELT: Traast 'Trost'.

Dadurch entfällt die Notwendigkeit am Wortende Konsonanten doppelt zu schreiben: Kat,
während im Inlaut Doppelschreibung erhalten wird: Katte 'Katzen'.
Nach unbetonten Vokalen wird der Konsonant aber einzeln geschrieben: Kanoal.



Beispiele:   (Phonetische Zeichen zwischen [ ] gesetzt)
Kurze Vokale   Lange Vokale
a wie Wasser [a]; z.B. Gat 'Loch', falsk 'falsch', kanne 'kennen'   aa wie englisch father [a:]; z.B. Taal 'Zahl', maast 'meist'
ä wie Nässe [e]; z.B. Fäk 'Fach', fäl 'heftig', rädje 'retten'   ää wie französisch tête [e:]; z.B. sääd 'satt', fääst 'fest'
e wie Gebirge [b]; z.B. Häidene 'Torfschuppen', et 'es', bekoand   ee wie leben [e:]; z.B. leet 'spät', Steen 'Stein'
i wie Schritt [I]; z.B. Wille 'Wille', licht 'leicht', bidje 'bitten'   ie wie Biene [i:]; z.B. Sies 'Käse', liek 'gerade'*
o wie sollen []]; z.B. Stok 'Stock', konne 'können'   oa wie englisch water []:]; z.B. Toal 'Diele', Hoase 'Hase'
ö wie Hölle [œ]; z.B. bölkje 'brüllen'   öä wie ö, aber lang [œ:]; z.B. Köäkene 'Küche'
u wie Mutter [S]; z.B. Stuk 'Stück', Buk 'Bock'   oo wie Sohn [o:]; z.B. Dook 'Nebel', groot 'groß', Hoose 'Strumpf'
ü wie Füllen [Y]; z.B. düt 'dieses', wül 'wohl'   öö wie Höhle [ø:]; z.B. Grööte 'Größe', drööme 'träumen'
    uu wie Mut [u:]; z.B. fuul 'viel', suur 'sauer', Buuk 'Bauch'*
    üü wie fühlen [y:]; z.B. Püüt 'Beutel', wüül 'wollte'*
    * Diese Laute werden bald lang, bald kürzer gesprochen.
     
Diphthonge (Diese werden wie im Hochdeutschen am Anfang betont).
ai wie Bein [ai]; z.B. nai 'nahe', Sail 'Segel', taie 'drücken'
äi wie kurzes ä + i [ei]; z.B. näi 'neu', Schäip 'Schaf', Fäite 'Füße'
au wie langes aa + u [a:u] ; z.B. gau 'schnell', kauje 'kauen'
äuw wie kurzes ä + u [eu]; z.B. häuw 'hieb', stäuwen 'gestoben'
eeuw wie langes ee + u [e:u]; z.B. scheeuw 'schief', leeuwe 'glauben'
ieuw wie ie + u [i:u]; z.B. Lieuw 'Leib', ieuwen 'eben'
oai wie langes oa + i []:i]; z.B. Koai 'Schlüssel', oain 'eigen', loaierje 'faulenzen'
oi wie neu []i]; z.B. schoi 'höhnisch', Moite 'Mühe', bloie 'blühen'
öi wie ö + ie [œi]; z.B. fröier 'früher', öile 'wühlen
ou wie o + u []u]; z.B. goud 'gut', Douk 'Tuch'
 
Konsonanten
Meist gesprochen und geschrieben wie im Deutschen. Ausnahmen sind:
ch wird immer gesprochen mit Ach-Laut [x]; z.B. licht 'leicht', wäch 'weg', laachje 'lachen'
f statt v am Wortanfang; z.B. Foar 'Vater', ferkoopje 'verkaufen', ful 'voll'
j nach vielen Konsonanten; z.B. djoop 'tief', Fjuur 'Feuer', gjucht 'recht; sehr', Kjuus 'Kreuz', ljoo 'lieb', Mjuks 'Mist', Stjuur 'Steuer', tjuk 'dick'
kk statt ck nach Grundregel der Doppelschreibung; z.B. Bakker 'Bäcker' (aber Rok 'Rock')
ks statt chs oder x; z.B. Okse 'Ochse', niks 'nichts'
kw statt qu; z.B. Kwoal 'Qual', kwäd 'sagt'
nk wie sinken [tk]; z.B. Droank 'Trank', linker 'link', aber wie n + k [nk] in Verkleinerungswörter: Tuunke 'kleiner Garten'
r ist gewöhnlich ein Zungenspitzen-r [r] gesprochen, z.B. rood 'rot', fiere 'fahren, führen', deer 'dort, da'
r wird vor Konsonanten gewöhnlich abgeschwächt zu e [b]; z.B. in Fuurke 'Forke', Boart 'Bart'
s am Wortanfang scharf wie Wasser [s] ; z.B. seer 'weh', sitte 'sitzen', Sunne 'Sonne'
sch wie s + Ach-Laut [sx]; z.B. Schip 'Schiff', scheen 'rein'
sl, sm, sn, sp, st, sw etwa wie im Englischen, also nie wie schl, schw usw.; z.B. släipe 'schlafen', Smoacht 'Hunger', sniede 'schneiden' , Splinter 'Splitter', switte 'schwitzen'
ts statt tz und z; z.B. Mutse 'Mütze', Wätseldai 'Werktag'
 
Fremdwörter behalten die im Deutschen übliche Schreibweise, außer für die Teile, wo sich im Saterfriesischen eine andere Aussprache entwickelt hat; z.B. in akroat 'akkurat', kontrollierje 'kontrollieren', praktisk 'praktisch'
 
Zwei Engpässe
Die Fort'sche Schreibweise hat zwei Eigenschaften sie sich mit der hochdeutschen Rechtschreibung schlecht vertragen:
1. Die langen Vokalen sollen in offener Silbe einzeln geschrieben werden, also Bome, Mehrzahl zu Boom 'Baum'.
2. Um das scharfe Anfangs-s sich besser abheben zu lassen, soll stimmhaftes s wie z geschrieben werden, also leze 'lesen'.
In der Praxis sieht man oft das diese Engpässe umgangen werden und das man schreibt: Boome, leese usw. Am Wortende aber werden einzelnes o und u erhalten: so, nu. Das wird auch in diesem Kurs angewandt.